In welchen Abständen sind nun die Baumbestände auf ihre Verkehrssicherheit zu überprüfen?

Diese Frage stellt sich sehr häufig, und doch gibt der BGH keinen allgemein gültigen Kontrollintervall vor. Die Aussagen und Spekulationen reichen von 6 Monaten bis 3 Jahren.

Das zeigt schon, dass es nicht nur in der Rechtsprechung, sondern auch unter Fachleuten unterschiedliche Meinungen gibt. Vor allem aber zeigt es, dass der Kontrollabstand abhängig ist

  • von der berechtigten Sicherheitserwartung des Verkehrs  (im Kindergarten engmaschigere Kontrolle als auf einer Streuobstwiese)
  • vom Zustand des Baumes  (auffällige Bäume mit bedenklichen Symptomen sind häufiger zu kontrollieren als gesunde)  und
  • von seiner Entwicklungsphase (von Jungbäumen bis zum 15. Standjahr gehen bei gesundem Wachstum kaum Gefahren aus)

Die FLL  (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. ) erarbeitet Regelwerke, die als Stand der Technik gelten. In der letzten Ausgabe zur Baumkontrolle 2010 wurden hierzu folgende Kontroll-Intervalle empfohlen:

Tabelle-Baumkontrollzyklus

(1) leicht geschädigt:     Schäden, die sich voraussichtlich bis zur nächsten Regelkontrolle nicht auf die Verkehrssicherheit auswirken.
stärker geschädigt:    Schäden, die sich voraussichtlich innerhalb eines Jahres (bzw. der nächsten 15 Monate) nicht auf die Verkehrssicherheit auswirken.
(2) Bäume, z. B. an bzw. auf normal und stärker frequentierten Straßen, Wegen, Plätzen und belebten Grünanlagen sowie Spielplätzen, Kindergärten, Kindertagesstätten, Schulen, Sportanlagen.
(3) Bäume, z. B. an bzw. auf schwach frequentierten Wegen, wenig besuchten Grünflächen.

Kontrolle nach Extrembedingungen

Nach Extremereignissen wie z.B. Sturm oder Eisregen ist eine generelle Durchsicht der Bäume geboten. Bei Großbäumen und bei ohnehin schon geschädigten Bäumen sollte die Kontrolle umfassend nach den Vorgaben der Regelkontrolle erfolgen. besonders ist dabei auf Brüche im Boden, auf die Wurzelregion wegen der Standsicherheit und auf angebrochene Starkäste zu achten. Gebrochene Äste sind ohnehin auffällig. Oft entstehen aber auch Torsionsbrüche oder tiefgehende Risse durch Verwindung, die bei Windstille nicht auffällig sind, aber bei geringer Mehrbelastung schon brechen können.

Jugendphase von Bäumen

In der Jugendphase, also in der Regel in den ersten 15 Jahren nach der Pflanzung, sind keine Kontrollen aus Sicherheitsgründen notwendig. Allerdings ist eine regelmäßige Überprüfung im Rahmen der Baumpflege zu empfehlen (Lichtraumprofil, Zwieselbildung, Konkurrenztriebe…).

Der Baumkontrollabstand in der Praxis

In jedem Bestand wird es Jungbäume und Altbäume geben. Neben gesunden Bäumen stehen welche, die erhöhte Aufmerksamkeit brauchen. Darüber hinaus haben wir unterschiedliche Sicherheitserwartungen an unterschiedlichen Plätzen.

Der Verwaltungsaufwand, der sich aus den unterschiedlichen Baumkontrollintervallen ergibt, wäre vermutlich höher, als eine engmaschigere Kontrolle.

Das führt in vielen Fällen dazu, dass alle Bäume einheitlich einmal jährlich kontrolliert werden.

Kompromisse

Folgender Kompromiss kann zu Einsparungen führen und ist durchaus praktikabel:

Einteilung des Bestandes in kleine Blocks oder Zonen, die möglichst homogen im Baumbestand sind. Also z.B. Neubaugebiete oder Anlagen, in denen alle Bäume im gleichen Jahr gepflanzt sind. Besondere Markierung der Bäume, die erhöhte Beobachtung brauchen. So können ganze Blocks für mehrere Jahre ausgespart bzw.  im 2-Jahres-Turnuns kontrolliert werden. Der Rest von Misch- oder Altbaumbeständen wird jedes Jahr kontrolliert.