Analog oder digital?

Diese Frage sollte sich heute nicht mehr stellen. Ich kenne keine stichhaltigen Argumente, die gegen eine digitale dokumentation sprechen. Oft werden die Kontrollen mit Block und Kugelschreiber durchgeführt und anschließend in eine excel-Tabelle übertragen. Es ist der bestechend gute Überblick, den die digitale Dokumentation bietet. Über entsprechende Filter sprudeln im handumdrehen die gewünschten Zahlen und Objekte.

Aber: Der technische Fortschritt im IT-Bereich und die große Auswahl perfektionierter Software, verbunden mit GPS-unterstützter Kartierung, führten in den letzten Jahren zu immer mehr Detailverliebtheit. Das technisch machbare ist aber nur dann ökonomisch sinnvoll, wenn es  am Ende Kosten sparen hilft. Viele größeren Städte unterhalten mit großem Aufwand ein lückenloses Baumkataster, auf dessen Grundlage sie regelmäßige Baumkontrollen durchführen. Ob der hohe Aufwand für die „Baumverwaltung“ gerechtfertigt ist, soll hier nicht untersucht werden.

Wie die Baumkontrolle dokumentiert wird, hängt von der Art des Baumkatasters ab. Erst daraus ergeben sich die verschiedenen Möglichkeiten der Dokumentation.

Besonders für kleinere Städte und Gemeinden sind aufwändige Baumkataster oft zu teuer, weil sie neben den hohen Kosten für Software, Hardware und Ersterfassung ihren Bestand auch ständig aktualisieren müssen. Sie brauchen ein einfaches System, das die Bäume erfasst und beweiskräftig dokumentiert, wann welche Bäume durch wen auf ihre Verkehrssicherheit überprüft – und mindestens genauso wichtig – wann welche Maßnahmen durch wen durchgeführt  wurden.

Diese Dokumentation wird meist als Einzelbaumkontrolle durchgeführt, d.h. jeder Baum wird separat dokumentiert, unabhängig von Schäden, Standort usw.

In vielen Fällen ist auch die Negativkontrolle als vereinfachte Dokumentation möglich, bei der nur Bäume erfasst werden, bei denen eine Maßnahme erforderlich ist, um die Verkehrssicherheit zu erhalten.

Qualifikation des Baumkontrolleurs

Leider ist in der Praxis kaum nachzuprüfen, wie gut ein Kontrolleur ist. Deshalb sind öffentliche Auftraggeber gehalten, mindestens „Zertifizierte Baumkontrolleure“ (nach FLL oder VTA) zu beauftragen.

Diese Qualifikation, erworben in mehrtägigen Seminaren, macht noch keinen kompetenten Baumkontrolleur aus. Wie immer, ist die fachliche Erfahrung von großer Bedeutung.

Die Übergeordneten Ausbildungen, z.B. zum Treeworker, Tree Technician, Fachagrarwirt Baumpflege und Baumsanierung, Forstleute und Arboristen verfügen selbstverständlich auch über die Fähigkeiten zur Durchführung von Baumkontrollen.

Baumkontrolle nach FLL oder VTA?

Es sind zwei Lager, die sich nicht sehr freundlich gegenüber stehen. Beide sind kompetent und bringen schlüssige Argumente. Beide sind -soweit ich das überblicke-  vor Gericht anerkannt als „Stand der Technik“.

Wichtig ist letztlich, dass der Baumkontrolleur weiß, was er tut und dies im Schadensfall vor Gericht auch stichhaltig begründen kann. Darauf kommt es nämlich an: Erfahrung. Sich nur auf Lehrinhalte zu berufen, reicht nicht. Dafür sind die Schadbilder, mögliche Risiken und deren Bewertung viel zu komplex.

Baumkontrolle nach FLL: http://de.wikipedia.org/wiki/Baumkontrolle

Baumkontrolle nach VTA: http://de.wikipedia.org/wiki/Visual-Tree-Assessment

Worauf im einzelnen zu achten ist, erfahren Sie unter Baumkontrolle – die Praxis.